Angstbewältigung

Angst als menschlicher Schutzmechanismus

Angst ist ein ganz normales Gefühl wie Traurigkeit, Freude, Ärger oder Wut und ist überlebenswichtig. Hätten wir keine Angst, würden wir uns ständig lebensgefährlichen Situationen aussetzen. Die Angst schützt uns davor, gefährliche Dinge zu tun. Sie ist ein biologisch festgelegtes Alarmsignal (Kampf-Flucht-System) wie Fieber oder Schmerzen.  Angst in geringem Ausmaß ist anspornend und leistungsfördernd.  Übermäßige Angst hingegen blockiert unser Denken, Fühlen und unsere Konzentration- und Leistungsfähigkeit, wir können unsere Fähigkeiten nicht optimal entfalten und beeinträchtigen daher unseren beruflichen und sozialen Alltag und hindern uns am Erfolg.

Ängste sind teils angeboren und teils sozial vermittelt oder erlernt. Die erlernten Ängste sind das Resultat  traumatischer Erfahrungen in der Kindheit oder Jugend. Viele dieser traumatischen Erfahrungen brennen sich tief in unser Gedächtnis ein und blockieren und behindern uns noch als erwachsene Menschen.

Es ist ein unrealistisches Ziel völlig angstfrei zu sein

So sehr verständlich auch der Wunsch eines Menschen mit stark ausgeprägten und sehr einschränkenden Ängsten ist, ist ein angstfreies Leben keine Option, da gefährlich. Lernen mit der Angst richtig umzugehen, sie in das Gefühlsleben zu integrieren und sich nicht mehr vor der Angst zu fürchten ist das angestrebte Ziel.  Denn wie schon erwähnt ist Angst ein ganz normales Gefühl. Sie ist ein Schutzmechanismus, ein angeborenes Alarmsystem, das richtig dosiert sein muss. Wie bei einer Alarmanlage erzeugt auch hier eine zu hoch eingestellte Empfindlichkeit Fehlalarm.

Alle Arten von Ängsten können als Bindungsstörungen aufgefasst werden, es ist lediglich die unterschiedlich Repräsentation von Ängsten, die im Vordergrund steht und Leidensdruck verursacht und somit den Weg für eine Psychotherapie ermöglichen kann. Leidensdruck ist generell ein wichtiger Katalysator für Veränderung.

Die Angst entsteht im Kopf. So wie der Gedanke an etwas Schönes angenehme Gefühle und körperliche Reaktionen erzeugt, reicht der Gedanke an angstauslösende Situationen aus um dementsprechende Gefühle und körperliche Reaktionen zu erzeugen. Angstschweiß, Herzrasen begleiten ängstliche Gefühle. Allein der Gedanke an eine angstauslösende Person oder Situation löst eine Alarmreaktion aus, der gesamte Organismus rüstet sich nun für die Gefahrensituation im Sinne eines Kampf- oder Fluchtmechanismus, der biologisch sinnvoll und uns angeboren ist. Gefühle wie Scham,  Unlust, Unsicherheit, Ärger oder Niedergeschlagenheit werden von körperlichen Reaktionen wie Schwitzen, Erröten, zittern, schnelles Reden, den sprichwörtlich roten Faden verlieren, „Black out“ oder stottern begleitet. Diese Symptome wiederum sind uns peinlich, wir wollen sie vor unseren Mitmenschen verbergen, weil wir sie als beschämend erleben und einen Gesichtsverlust befürchten. Diese Reaktion ist in einer Gesellschaft, die absolutes Funktionieren und Furchtlosigkeit erwartet, die menschliche Schwächen zutiefst verachtet und keine Fehler- und Versagenskultur ausgebildet hat, verständlich. Wir bemühen uns also mit ganzer Kraft diese uns peinlichen Körperreaktionen zu unterdrücken. Diese so verschwendetet Energie macht uns noch angespannter und unkonzentrierter und die Gefahr aufzufallen, erhöht sich oft dadurch erst.

Ein Risiko einzugehen bedeutet eine Weile den Boden unter den Füssen zu verlieren, kein Risiko einzugehen bedeutet sein ganzes Leben zu verlieren. (Sören Kirkegaard)

Der Körper hat sich also für den Überlebenskampf gerüstet, um unser Leben zu sichern. Diese körperlichen Reaktionen sind aber zu stark, wir können nicht mehr klar denken, unsere kognitiven Fähigkeiten sind sehr eingeschränkt und stehen uns nicht mehr in vollem Ausmaß zur Verfügung, weil wir reagieren als würden wir um unser Leben kämpfen, es geht aber nur um eine Prüfung und unsere Reaktionen sind überzogen.

Wir müssen lernen, unsere Vorstellungen oder inneren Bilder als Ressource zu nützen. Unser Gehirn kann nicht unterscheiden ob wir uns ein negatives Erlebnis nur „einbilden“ oder tatsächlich auch erleben. Unser Körper reagiert auf bedrohliche innere und äußere Wahrnehmung in gleicher Weise mit hochgradiger Aktivierung von Herzschlag, Blutdruck, Atmung, Muskelanspannung und Stoffwechsel.

Kontakt

Mag. Johanna Böhm-Schöller
Praxis für Psychotherapie

Eßlinggasse 18/9
1010 Wien
0664 / 520 67 98
info@boehm-schoeller.at